Ein Wochenende in Malinec

[Blog 15] Letztes Wochenende lud mich eine Kollegin ein, das Wochenende mit ihr und ihrer Familie zu verbringen. Das klang gut. In Malinec. Das klang nach Himbeeren…

Als ich vom Bahnhof abgeholt wurde, fiel mir schon auf der Fahrt mit dem Auto auf, dass wir umgeben waren von Getreidefeldern. Weizen, Gerste – soweit das Auge reicht. Hoher Mais und gelber Raps waren nicht zu sehen. Dafür aber Sonnenblumen!

In Malinec angekommen begrüßte uns dann gleich Max, der es sehr schnell schaffte mein sonst hunde-immunes Herz zu erobern. Er bewegte sich ein bisschen wie ein Waschbär. Später saßen wir im Garten am Grill, aßen vom Vater gefangenen Fisch und ich versuchte von meiner Waschbär-Assoziation zu erzählen. Da ich aber nicht wusste, was Waschbär auf Tschechisch hieß, fing ich an zu beschreiben: „Er ist grau, hat eine schwarze Brille, lebt in Nordamerika und dort mögen ihn die Menschen nicht, weil er immer den Müll [wühlende Geste]…“ „Also nein, hör mal, DAS macht unser Maxi nicht!!!“

Am nächsten Tag machten wir uns auf nach Klatovy und entdeckten dort in den Katakomben einen verrückten bayerischen Kaplan. Eine der Mumien dort unten hat nämlich einen etwas irre lachenden Gesichtsausdruck, eine schwarze Kaplanskappe auf dem Kopf und trägt eine noch erhaltene – Lederhose! Etwas weniger gruslig war’s dann im PASK, einem Pavillon mit einer Jugendstil-Glasausstellung. Hach, waren das schöne Farben! Und als wir dann später auf dem Schwarzen Turm standen und damit beschäftigt waren, unsere Kleider vor dem Wind zu schützen, da konnte ich den Hohen Bogen sehen. Das war schon seltsam, da bist du im Ausland, eine etwas andere Kultur, eine andere Sprache, ganz neue Leute – und siehst plötzlich nach Hause, einen Berg, an dessen Fuß deine Freunde wohnen. Und…was waren wohl die Gedanken eines jungen Menschen, der vor 30 Jahren dort oben auf dem Turm stand und richtig Südwesten blickte?

Abends wurde im Nachbardorf Theater gespielt, also Spaziergang über’s Stoppelfeld, über einen wackeligen Steg, vorbei an der Badestelle mit dem bunten Geländer. Und nachts wieder zurück – unter dem schönsten Sternenhimmel, den ich seit meiner Ankunft hier sehen konnte. Ich sah einen „Stern mit Bewegung“, aber vor lauter Wortschatzmangel, hatte ich gar keine Zeit mir etwas zu wünschen.

Und am Sonntag bekam ich noch eine private Führung durch die Wasserburg Švihov. Nach einer Tour mit dem Ruderboot um die Burg herum, ging’s hinein in die Burg. Drei Haselnüsse habe ich nicht gefunden, aber mit dem riesigen, alten Schlüsselbund in der Hand, da fühlte ich mich fast ein bisschen wie ein kleines Schlossgespenst.

Und danach ging’s dann wieder mit dem Zug zurück nach Pilsen – gut ausgerüstet mit leckerem Sonntagsessen. Und Kuchen. Und Kirschen. Und vielen schönen Bildern im Kopf.

Wusstest du schon, dass ...


- Pilsen Kulturhauptstadt Europas 2015 ist

- der Kirchturm der höchste Kirchturm Tschechiens ist

- Karel Gott aus Pilsen kommt

- Pilsen zwölf Partnerstädte hat 

Pilsen eine Universitätsstadt mit mehr als 17 000 Studenten ist

- aus Pilsen das Pilsner Urquell kommt

- Bedřich Smetana hier gelebt hat

- es hier einen Engel gibt, der Wünsche erfüllt
 


 

Tandem    Západočeská univerzita v Plzni  Česko-německý fond budoucnosti  Ministerstvo školství, mládeže a tělovýchovy